Sonntag, März 20, 2011

Islam in Deutschland

Ja, auch ich kann sie kaum mehr ertragen, die Diskussionen in den Medien, die sich zwischen den provokanten Thesen von Sarrazin und der umarmenden Aussage unseres Präsidenten, der Islam gehöre zu Deutschland, entwickelt haben.

Keiner der Talk-Schow-Giganten von Beckmann, über Anne Will, Frank Plasberg, Maybrit Illner, bis Sandra Maischberger hat es sich nehmen lassen, die Gesinnungs-Matadoren und Meinungsmacher in ihren jeweiligen Arenen auftreten und mehr oder minder abgewogen aufeinander einschlagen zu lassen. Keine der überregionalen Zeitungen von der SZ über die ZEIT, die WELT bis zur FAZ hat darauf verzichtet, die Überzeugungen ihrer jeweiligen treuen und damit weltanschaulich-politisch vorsortierten Leserschaft in Worte zu fassen und ihr das Gefühl zu vermitteln, hier werde mal gekonnt gesagt, wie es wirklich ist.


Jeder gut argumentierte Gesichtspunkt scheint in sich richtig. Das hilft aber leider nur bedingt zur Klärung, weil sie in ihrer Vielzahl einander zu widersprechen pflegen. Trotz der Vielzahl an Beiträgen und Gesichtspunkten werden Fixpunkt und Maß nicht sichtbar, um die im Kern von religiös-kulturellen Überzeugungen geprägten Ansichten zu messen und einzuordnen.
Trotz aller vorgetragenen Gesichtspunkte bleibe ich - eine um einen eigenen Standpunkt bemühter Zuschauer - ratlos zurück.

Insgesamt bleibt das Gefühl, die Situation nicht beurteilen zu können oder mit dem eigenen Urteil der Vielschichtigkeit nicht gerecht zu werden. Natürlich habe ich eine Meinung - es fällt mir aber schwer, sie schlüssig zu vertreten. Ich will im Urteil gerecht und tolerant bleiben und überhaupt: man kennt den Koran ja schließlich nicht .....

Auf diese verwirrende und damit unbefriedigende Situation bin ich immer wieder dann gestoßen worden, wenn eine Nachricht, ein Ereignis, ein Geschehen bei mir die Spontanreaktion hervorgerufen hat, die - laut ausgesprochen und politisch unkorrekt etwa so geklungen hätte: Das ist wieder typisch Isalm, die wollen wir hier nicht haben!

Das war bis vor wenigen Tagen so, bevor ich durch einen wunderbar klaren, kurzen und mich überzeugenden Artikel von Monika Maron im Spiegel-online vom 18. März gestoßen bin.
Ich habe ihn kopiert und
hier>> als *.pdf-Datei hinterlegt.

Mich hat dieser Artikel an den einzig verbindlichen Maßstab zur Beurteilung der Rolle und der Grenzen von Religionen erinnert: Ich lebe in Deutschland in einem säkularen Staat, eine Staat also, der am Ende einer 2.000 Jahre langen, blutigen Auseinandersetzung um Macht und Einfluss Kirche und Staat trennt - die unschätzbare Errungenschaft der französischen Revolution schlechthin.

Die Regeln des Zusammenlebens der Bürger sind in unserem Staat irdisch formuliert und dienen dem Zusammenleben der Bürger ohne Bevormundung durch und Unterwerfung unter überirdische Kräfte und deren selbsternannte Vollstrecker auf Erden.
In der Verfassung, im Grundgesetzt und in den daraus abgeleiteten Gesetzen, Verordnungen und Regeln sind die bürgerlichen Rechte und Pflichten gefasst.

Dieses Regelwerk bildet die letztverbindliche Grundlage für das richtige Verhalten der Bürger.

Zu den Rechten der Bürger gehören in diesem Kontext die Meinungs- und Religionsfreiheit, die Versammlungs- und Koalitionsfreiheit. Bürger können sich in Vereinen, Verbänden, vielerlei rechtlich determinierten Formen - auch in Glaubens- oder Überzeugungsgemeinschaften - zusammenschließen. Sie können als Gruppen handeln, ihre Überzeugungen öffentlich vertreten, ihre Interessen vortragen und Rituale praktizieren, so lange sie dabei nicht Gesetze übertreten.

Immer dort, wo kulturelle oder religiös determinierte Verhaltensweisen dem jeweils gültigen Rechtsrahmen widersprechen - das gilt nicht nur für Religionsgemeinschaften - ist es Pflicht des Staates, die Einhaltung des geltenden Rechts zu sichern und alle Bürger - auch die einzelnen Mitglieder von Glaubensgemeinschaften selbst - davor zu schützen, dass sie Regeln befolgen müssen, die gegen die unseres Staatswesens verstoßen. Überzeugungs- und Glaubensverhalten finden ihre Grenzen in den Regeln unserer Gesellschaftsordnung.

Als bekennender Atheist gehöre ich der mit knapp 35% größten Bevölkerungsgruppe der konfessionslosen Bürger in Deutschland an (jeweils ca 30% sind evangelische bzw. katholische Christen, knapp 5% sind muslimisch geprägt, die verbleibenden 0,6% teilen sich eine kaum überschaubare Anzahl weiterer Glaubensgruppierungen.)
Somit ist es für mich und vermutlich auch für die anderen konfessionslosen Bürger nicht erkennbar, weshalb geduldet werden soll, dass Vertreter religiös organisierter Minderheiten Sonder-Rechte für sich einfordern und eingeräumt bekommen, die mit ihren höchst privaten Glaubensüberzeugungen begründen.

Ich kann beispielsweise nicht einsehen, dass Christen das Recht haben, einen gefolterten Menschen in öffentliche Räume - und staatliche Schulen sind öffentliche Räume - aufzuhängen, weil sie eine Religion vertreten, deren Gott seinen Sohn zu Tode foltern lässt und den Gläubigen mit der Aussage, er habe seinen Sohn den Menschen geopfert, Schuld auflädt.
Folter ist verboten und darf nicht verherrlicht werden - Religion bietet kein Alibi mit aufhebender Wirkung.

Wäre ich Muslim, würde ich fordern, dass auch meine religiösen Feiertage allgemeingültig erklärt werden, wie die der Christen. Als Atheist bin ich gegen beides - ich will arbeiten dürfen und nicht bestraft werden, wenn ich den Feiertag einer der Religionen missachte.

Ich stimme auch nicht zu, dass unter Verweis auf eine Religion Tiere geschächtet werden, weil die archaischen Verhaltensweisen einiger Religionen diese Form des Tötens von Tieren vorschreiben, wenn dieses Tötungsverfahren aus guten Gründen generell verboten ist.
Ich kann nicht zustimmen, dass Mädchen in Deutschland zwangsverheiratet werden und das mit Verständnis für kulturell-religiöse Gepflogenheiten geduldet wird.

Die Liste religiös-kulturell begründeter Erwartungshaltungen kann man endlos fortsetzen - Religionen als Sammlungsbewegungen für irrationale Überzeugungen kennen erfahrungsgemäß keine Grenzen.

Gleiche Rechte und gleiche Pflichten für alle. Das ist der oberste Grundsatz unserer bürgerlichen Gesellschaft.

Ausnahmen aus religiösen Gründen kann und darf es nicht geben.

Nicht für Muslime und auch nicht für Christen, nicht für Juden, Buddhisten und Hindus.

Das ist für mich das Maß meiner Beurteilung von Anforderungen an unsere Gesellschaftsordnung aus religiös-kulturellen Überzeugungen.

Samstag, Februar 13, 2010

FDP-Schelte: Politisches Duckmäusertum

Ja, ich habe FDP gewählt! Nicht wegen Herrn Westerwelle oder Herrn Niebel. Und ich würde die FDP heute wieder wählen - sozusagen jetzt erst recht!

Meine eher recht linkslastige Tageszeitung hat die Passagen der Rede von Guido Westerwelle wörtlich abgedruckt und nun verstehe ich den Aufschrei von Grün über SPD über die Linke bis echoartig hinein in alle Sozialverbände! Es ist nämlich so, dass er völlig Recht hat mit seinen Feststellungen und die Schreihälse sich in ihren Trutzburgen bedroht fühlen - aber lies selbst:

Es scheint in Deutschland nur noch Bezieher von Steuergeld zu geben, aber niemanden, der das alles erarbeitet. Empfänger sind in aller Munde, doch die, die alles bezahlen, finden kaum Beachtung.

Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.
In vielen aufstrebenden Gesellschaften anderenorts auf der Welt wird hart gearbeitet, damit die Kinder es einmal besser haben. Bei uns dagegen wird Leistung schon im Bildungssystem gering geschätzt: Wir debattieren Einheitsschulen und das Ende der Notengebung. Dabei muss doch gerade die Jugend lernen, dass Leistung keine Körperverletzung ist.
Zu lange haben wir in Deutschland die Verteilung optimiert und darüber vergessen, wo der Wohlstand herkommt.

Leistungsgerechtigkeit ist mehr als Steuertechnik - Leistungsgerechtigkeit ist ein Gesellschaftsbild. Bei fairen Steuern genau wie bei Aufstiegschancen durch ein durchlässiges Bildungssystem muss die Mitte unserer Gesellschaft wieder in den Mittelpunkt der Politik rücken. Dieses Umsteuern ist für mich Kern der geistig-politischen Wende, die ich nach der Diskussion über die Karlsruher Entscheidung (über Hartz IV) für nötiger halte, denn je.

Von meiner Kommentierung dieser Debatte habe ich keine Silbe zurück zu nehmen.

Wenn man in Deutschland schon dafür angegriffen wird, dass derjenige, der arbeitet, mehr haben muss, als derjenige, der nicht arbeitet, dann ist das geistiger Sozialismus.
Wer arbeitet darf nicht mehr und mehr zum Deppen der Nation gemacht werden.

Ich hätte nicht immer seine Worte gewählt - aber in der Sache unterschreibe ich jeden Satz.

Unrecht hat das gewaltige lustvoll von unserer Medienlandschaft fast unisono und reflexartige verstärkte Echo. Empörung ist ein wunderbares Gefühl, sich darin zu suhlen, zumal im Sud einer vorgespielten sozialen Haltung! Aber seine Aussage so zu deuten, dass er den Bedürftigen spätrömische Dekadenz vorwerfe, ist schlichtweg bewusst falsch und wird nicht dadurch richtig, dass es so schön einfach zu behaupten ist. Einfach dreist, nicht der Sache, sondern dem eigenen Fortkommen dienlich.

Und alle stimmen ein - die medialen Claqueure stehen bereit.

Westerwelle hat in ein Wespennest gestochen und die selbst aus Staats-, Partei- und Verbandskassen bestens sich selbst versorgenden, linkslastigen Polit- und Verbandsoberen halten die Versorgung der "Armen" als moralisches Schutzschild vor ihre eigenen Interessen in der Hoffnung, damit eine unangreifbare Position eingenommen zu haben.

Sie sind es, die er angegriffen hat, denen er den Vorwurf macht, sich als Wohltäter zu profilieren, indem sie Steuergelder an Wählerstimmen verschenken, um sich beliebt zu machen. Der Aufschrei zeigt: Er hat viele getroffen.

Und er hat Recht: Wir denken nicht mehr nach über die Grundlagen einer funktionierenden Gesellschaft, sind weit abgedriftet in eine staats- und funktionärsgesteuerte Versorgungsgemeinschaft, wo eine wachsende Gruppe von Wählern sich nicht mehr "strebend bemüht" sondern bessere Versorgung von oben verlangt.

Jede Bewegung bracht ein Feindbild und das ist derzeit die FDP - die Chance mal zuzuhören wird vertan; ist es doch viel einfacher in den Chor  der Hirnlosen einzustimmen und mit zu schwimmen im Strom.

Dabei hat die FDP einen schweren Stand und es bedarf eines erheblichen Rückrats, nicht einzuknicken angesichts der schwindenden Wählerzustimmung und bevorstehender Wahlen in NRW.

Die Gier ist überall und der Versuch, sich zumindest auf unmoralische, wenn nicht widerrechtliche Art zu Lasten des Gemeinwohls zu bereichern. Das ist menschlich, aber nicht akzeptabel in einer funktionierenden Gemeinschaft.

Man ist heute dennoch geneigt, dem Hartz IV-Empfänger in seiner Not die Auswüchse der Unredlichkeit nachzusehen - für die Armen spricht unser aller Mitleidsempfinden.

Der Missbrauch individuellen Gewinnstrebens ist vermutlich bei FDP-Wählern nicht häufigersicher aber wegen der immensen Beträge und des entsprechenden Schadens sichtbarer und vermutlich auch in Summe weitaus größer.

Das verleitet zu einer wohlfeilen Formel, die man der Einfachheit halber mit der FDP verknüpft:

Sie lässt sich vorwärts wie rückwärts lesen: Wer Geld hat, hat es im Zweifel auf krumme Touren anderen weggenommen und wählt FDP - wer FDP wählt ist reich und daher im Zweifel ein erfolgreich gieriger Zeitgenosse.

Und so ist es ein Leichtes und duftet so schön, wenn man die FDP aufspießen und über dem Grill aller weltweiten wirtschaftlichen Übel von Banken-Krise über Steuerhinterziehung bis Neokapitalismus brutzeln lassen kann ohne darauf zu achten, ob die wohlduftenden Abgase der gesellschaftlichen Umwelt dabei einen Langzeitschaden zufügen.

Man argumentiert mit dem Armen, heftet sich das Gutmenschen-Logo sozialer Überzeugung ans Revers und sichert dahinter seine eigenen Interessen und Pfründe von Macht bis Versorgung. Und scheut vor keinem noch so plumpen Argument zurück wie etwa: Für die Banken haben sie - wer? - Milliarden und der armen HARTZ IV-Empfänger muss mit 365 EUR auskommen! Das verkauft!!!!

Aber es bleibt dabei: Nur wer gegen den Strom schwimmt, wird zur Quelle kommen. Zugegeben, ein mühsames Geschäft.

Samstag, November 14, 2009

Tod eines Torhüters

Nachtrag als Vorwort
Nachdem ich heute, am 26.11. den Beitrag von Thomas Assheuer unter dem Titel Die neue Sichtbarkeit des Todes in der ZEIT gelesen habe, war ich sehr versucht, meine im Vergleich oberflächlichen Überlegungen und plumpen Formulierungen zu löschen.
Ich habe es nicht getan und bitte den Leser um Nachsicht.
Bitte hier klicken >> ZEIT
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Robert Enke hat sich umgebracht. Das ist schlimm. Das ist in jedem Einzelfall der gut 10.000 Freitoten in Deutschland pro Jahr (klickst Du auf den Titel) schlimm.

Aber es gibt einen entlarvenden Unterschied zwischen seinem Freitot und dem der anderen 10.000 - entlarvend bezüglich des Zustandes unserer Gesellschaft:

Die Medien wittern Einschaltquoten. Einschaltquoten sind bares Geld, Einschaltquoten, das ist Geschäft! Wer verfügt am schnellsten über Ursachenanalysen der bedeutendsten Fachleute unseres Landes - tatsächliche und selbsternannte. (Und: Wer darf sich rühmen interviewt worden zu sein, seinem Gesicht vor der Nation, sein Profil in ernster Sache geboten zu haben?)

Wer ist am dichtesten dran, wer war dabei? Wer fasst die Trauer der Nation - auch derer die Enke bis dato gar nicht kannten - am anrührendsten in Worte? Das Fernsehen? Die Bildzeitung?

Den Veröffentlicher der Meinung bietet sich ein event der besonderen Art an, nachdem die Schweinegrippen-Pandemie nicht so recht zünden will, nichts mehr hergibt. Der Nationaltorhüter hat sich umgebracht! Traumhaft! Eine bessere Steilvorlage gibt's nicht. Dagegen sind die anhaltenden Gemetzel in Dafur und im Kongo schwer vermittelbar und Einschaltquoten-Flops.

Es geht schließlich um das "Goldene Sprachrohr für Volks-Betroffenheit", es winkt die Chance auf den nächsten Bambi in der Sparte "Hervorrufen kollektiver Trauer"! Also ran an die Volks-Seele.

Unsere neue Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche fängt spontan die Woge der Trauer der sentimentalisierten Bevölkerung, ein, öffnet die Portale und bietet Worte für das Unaussprechliche, müht sich, dem Sinnlosen überirdischen Sinn zu verleihen. Alle Sender waren da, kein Schreiberling namhafter Gazetten fehlte - wehe dem armen Promi, der seinen Termin in der Welt-Politk nicht platzen lassen konnte, um in den kameranahen ersten Reihen als Trauer-Vorbild in der überfüllten Kirche dabei zu sein, bei dieser tiefen Trauer, die das Volk erfasst hat. Wer kann sich leisten nah am Fussball kein Gefühl zu zeigen?

Und alle sind wir uns einig: Er ist grausam, der Druck, der auf den Leistungsträgern liegt, hart, unmenschlich hart ihr Leben! Aber: sie werden schließlich auch gut bezahlt und das berechtigt jedermann bei Versagen verbal auf sie einzuschlagen, Häme über sie zu schütten, sie zu erniedrigen, sie unmenschlich zu behandeln - aber sich umbringen deshalb, das haben wir nicht gewollt. Traurig sind wir und Mitleid haben wir. Das sieht man doch an unserer Teilnahme.

Und wo bleibt der Lockführer, der arme Kerl, dessen Leben nun mit Sicherheit unverschuldet einen Schlag bekommen hat, über den hinweg zu kommen er nicht weniger Hilfe nötig hat, als Enkes Frau, Eltern und Geschwister.

Berlin Alexanderplatz 15.11.2009

Wo ist die mitfühlende Öffentlichkeit?

Scheiß Verlogenheit einer verführbaren, zur Sentimentalität* neigenden Bevölkerung, einer erbarmungslosen Medienlandschaft!

* Sentimentalität ist das Alibi der Rücksichtslosen (Zitat: Mein verstorbener Religionslehrer)

Nachtrag am 16.11.09:
2.400.000 Zuschauer bei der TV-Übertragung! Wenn es eines Beweises meiner Behauptung, es handle sich um einen "Medienglücksfall" von höchstem Inszenierungs-Potential, bedurft hätte, dann ist es diese Einschaltquote.

Samstag, Oktober 10, 2009

Warum nicht noch billiger?

Wir zelebrieren die gute Botschaft des Statistischen Bundesamtes in den Fernsehe-Nachrichten als anhaltend positive Entwicklung: Die Discounter haben eine neue - ich glaube die 5te? - Preissenkung auf Nahrungsmittel eingeläutet.

Verona Poth, ehemals Feldbusch und durch den wohl etwas zweifelhaften Bankrott ihres Ehemannes im Ansehen angeschlagene D-Promi-Ikone wirbt für "KIK, der Textil-Discont" und 3 Herren-shorts für 4 EUR 80.

Schöne, billige Konsumwelt - dank sei Herrn Schwarz, Inhaber von LIDL, den Brüdern ALDI und den tüchtigen Managern von Tengelmann, die das alles möglich machen.

Verdi bemängelt zwar die zunehmend schlechter werdenden Arbeitsbedingungen und den zunehmenden Druck auf die Löhne der Mitarbeiterinnen und sie tun uns auch leid, natürlich, und wir finden das nicht richtig, aber.....

Verdi springt zu kurz - was ganz Anderes ist im Gange, während wir die Schnäppchen feiern.

Denn dumm bei der Sache ist, dass billig für den Konsumenten bedeutet,
  • dass die Milchbauern nicht mehr überleben können,
  • dass Kinder und Frauen in Indien und/oder Pakistan verhungern, weil sie fast nichts bekommen für ihre Arbeit - kein Wunder, wenn die 4,80 EUR für die 3 shorts: Anbau, Ernte, Pflücken der Baumwolle, Spinnen, Weben, Färben, Zuschneiden, Nähen, Verpacken der shorts - nahezu alles Handarbeit - den Transport nach Europa, das Entladen, Verteilen, Lagern, Transportieren, Verkaufen und den Gewinn von Tengelmann abdecken müssen,
  • dass die Lebensmittel nur deshalb billiger werden, weil die Hersteller im Preis gedrückt werden von den Einkaufsmanagern der Discounter, von deren Einkaufsentscheidungen ihre Firmen und deren Mitarbeiter abhängen, (da wird der Preis vorgegeben und der Hersteller hat die freie Wahl: einsteigen und langfristig oder nicht einsteigen und sofort pleite gehen.)
  • dass folglich und unausweichlich die Löhne bei allen Herstellern, die Glied in der Herstellungskette sind, sinken müssen, weil sonst die Preise nicht sinken können,
  • dass die Menschen, deren Löhne deshalb sinken, sich schadlos halten müssen und - ja, zu LIDL, ALDI, KICK und Co. gehen (müssen?), weil dort die Preise wieder mal gesunken sind...
Und weil die Menschen immer weniger verdienen, zahlen sie weniger Steuern und weniger in die Arbeitslosenversicherung, weniger in die Krankenversicherung, weniger in die Rentenkasse - na und der Staat kann weniger verteilen, hat weniger für Straßenbau und Polizei, für Schulen und Bildung, nichts mehr für Kultur und Wohlfahrt.

So dreht sich die Abwärts-Spirale einer materiell und kulturell reichen Gesellschaft immer weiter und am Ende leben alle ganz unten, ganz billig, weil sie nichts verdienen und einige Begriffe werden zunehmend Mangelware bezeichnen: Qualität, Kultur, Bildung.

Aber halt!! - richtig - alles halb so schlimm: Die Gebrüder Aldi und Herr Schwarz bilden gleichbleibend die Spitze der Reichsten in Deutschland. Also der Reichtum, der unseren Wohlstand mal ausmachte ist gar nicht weg. Nur ist er ungleich verteilt.

Und wer hat Schuld?

Wir, die Konsumenten, die Schnäppchenjäger haben ihn nur umverteilt, den Reichtum, haben ihn den Wohltätern zugeschanzt, die uns den billigen Einkauf ermöglicht haben, dem wir nachgejagt sind auf der Jagd, auf der wir uns nach billig, noch billiger orientiert haben, um uns zu bereichern nach dem Motto Noch mehr für noch weniger Geld. Selber Schuld!

Was lernen wir daraus?

Die Banken haben mit unserer Gier gespielt und immer höhere Zinsen und Gewinne versprochen und wir sind hinterher gerannt, blind und unkritisch angesichts der Möglichkeiten, uns zu bereichern.

Jetzt bemerken wir hoffentlich rechtzeitig, dass sich eine weitere Macht anschickt, unseren Lebensraum zu beherrschen - sie liegt, ganz unauffällig, bei den europa- nein sogar weltweit operierenden Handelsriesen, die die Gier der Konsumenten, wenn sie billig hören und sich über Schnäppchen freuen, ausnützt und uns an der Nase herum führt.

Auch hier werden wir, die Bürger, die Rechnung präsentiert kriegen.

PS: Ich habe noch nie bei ALDI oder LIDL eingekauft - den Luxus leiste ich mir.

Mittwoch, Juli 08, 2009

Adipositas

Als ich jung war gab es auch schon deutlich übergewichtige Kinder, aber wenige. Wir nannten sie "fette Sau" und wir empfahlen ziemlich ruppig: "friss nicht so viel!"
Nicht nett, zugegeben, aber niemand wollte "fette Sau" genannt werden und so blieb es bei Wenigen.
Werbung und zu viel Geld haben durch die Jahre dafür gesorgt, dass die Menschen sich bequem mit Fast-Food, convenient products und statt Wasser mit süßem Schlabberzeug - je billiger desto Zucker! - ernähren.
Entsprechend haben die Übergewichtigen zugenommen, zumal jugendliche und so wurde die Fettsucht gesellschaftlich relevant und wenn man die fast mit Stolz, keineswegs aber verschämt in zu engen T-shirts zur Schau getragenen Fettwülste um die Hüften junger Fraun und Mädchen sieht könnte man meinen, es handle sich dabei um ein modisches Accessoir.
Statt nun an der Ursache zu arbeiten haben wir einen medizinischen Fachbegriff entwickelt: ADIPOSITAS.


Damit ist Fettsucht zur Krankheit erklärt zur Freude Aller:
  • Die Fresser selber sind nicht mehr Schuld an ihrem Zustand, denn sie leiden unter einer Krankheit und sind damit fein raus.
  • Krankheiten müssen behandelt werden und so hat sich eine ganze Industrie um die Adipositas versammelt, die ihre Dienste anbietet - von Herstellen von Pülverchen, Pillen und Quellstoffen als Magenfüller über kommerzielle Abspeckanbieter wie Weightwachers und sonstigeTherapieanbieter bis zu Psychotherapeuten, Magenverkleinerungs- und Magenband-Operateuren und Kliniken mit Spezialärzten zur Begleitung von Langzeitgenesungs-Aufenthalten.
  • Der Druck auf die Krankenkassen, die Kosten der Korrekturen des individuellen Fehlverhaltens zu bezahlen nimmt zu.
  • Der nächste Schritt wird darin bestehen, dass wir Fettsucht fördern um die Arbeitsplätze in der Fettsuchtbekämpfung nicht zu gefärden.

Auf gehts!

Freitag, März 06, 2009

Durchgeknallt

Heute, Freitag der 6. März 2009, 15:00 Uhr
in RTL "Mitten im Leben"


Protagonisten

  • Er, 22, Harz IV, Raucher, Lehre abgebrochen
  • Sie, 26, Harz IV, Raucherin, Lehre abgebrochen

Beider wörtlich erklärtes Hobby: Fernsehen.

Lebensrahmen
Großzügige Wohnung, umfassend möbliert, 3 (drei!) TV-Geräte.
PC mit Flachbildschirm und zusätzlich ein Notebook, Internetanschluss DSL 2 handys

Thema
Es klappt nicht mit dem Kinder kriegen. Sie will aber unbedingt ein Kind. Begründung: Wenn ich ein Kind hätte, hätte ich was zu tun, denn immer fernsehen ist auch langweilig!

Lösung
Wenn wir heiraten übernimmt die Krankenkasse die halben Kosten der künstlichen Befruchtung.

Sag mal: Geht's noch?
Haben wir noch alle Tassen im Schrank?
Da leben zwei gesunde, gelangweilte, junge Faulenzer ohne schlechtes Gewissen, denn es ist ihr verbrieftes Recht, auf Kosten unseres Gemeinwesens, halten ihre Daseinsform für normal und lassen erkennbar keinerlei Absicht erkennen, jemals aus eigener Anstrengung leben zu wollen.

Und dann zahlt tatsächlich die Solidargemeinschaft eine künstliche Befuchtung, damit die beiden dann einen weiteren Nutzer unserer Umverteilungsmaschinerie vor der Glotze aufziehen können, der dann von der Solidargemeinschaft durchs Leben gesponsert werden kann.

Jetzt weiß ich, weshalb die Krankenkassenbeiträge ständig steigen: Unsere Gesellschaft hat sich als Ziel gesetzt, immer mehr Mitbürgern ins Leben zu verhelfen, die von Transferleistungen leben - Wählerstimmen für erfolgreiche Umverteilungspolitiker.

Der einzige Trost - wenn auch nur auf Zeit:
Die Krankenkasse zahlt erst, wenn beide mindestens 26 Jahre alt sind.


Sonntag, September 14, 2008

Wie doof sind wir eigentlich?

Sie mailen über google, hotmail, yahoo, web, gmx?

Wenn Sie das direkt über ihren Browser tun, ist die Anmeldemaske unweigerlich eingebettet in Werbe- und News-Botschaften, die um Ihre Aufmerksamkeit buhlen. Teaser – man könnte sie mit der Gaumenproben der attraktiven Promoterin im Supermarkt vergleichen, die Sie mit einem Käse-Häppchen zum Kauf verführen soll – Teaser, gerne Horrormeldungen oder halbnackte Busenschönheiten, meist aber das Versprechen, etwas umsonst erwerben zu können, sollen uns verführen zu verharren und in die weiterführende Tiefe zu klicken.

News-Feeds sollen wir als festen Bestandteil in unser Bildschirm-Bestands-Reservoir einbauen. Immer informiert – immer am Puls des (un-)wesentlichen Weltgeschehens, dargestellt am Leben von C-Promis.

Ich persönlich empfinde das als beleidigend.

Unterstellt man mir doch den Entwicklungsstand eines debilen Sechsjährigen mit überbordender Libido, dessen Weltbild von der Vorstellung geprägt ist, dass lüsterne, mandeläugige, allzeit willfährige Jungfrauen darauf warten, ihn zu verwöhnen und kostenlos mit allem zu überschütten, was die Werbung so an Konsumträumen implantiert hat.

Nun denn, man kann sich ja - zumindest bei web - davon weitgehend durch Mitgliedschaft im Club freikaufen - ich zahle gerne die 5 EUR im Monat für den werbefreien Eingang; die Werbemails kann man ja gleich in den Papierkorb umleiten.

Aber Aufmachung und Teaser auf den login-Seiten der Mail-Provider pflegen ihr von mir als beleidigend empfundenes Auftreten sorgfältig und aufwändig weiterhin. Offensichtlich bewährt es sich, erfreut sich wachsender Beliebtheit und ich neige seit dieser Erkenntnis dazu, meine Achtung vor meinen Mitbürgern zu überdenken!

Man weiß ja schließlich, dass diese Mail-Provider den kostenlosen Mail-Service über den Verkauf von Werbeflächen finanzieren. Das Geschäftsmodell klappt nur, wenn die Werbe-Teaser häufig, also von ganz, ganz vielen Mail-Kunden angeklickt werden. Es muss also ganz ganz viele user geben, die eben zu jener Gruppe gehören, der mich zuzurechnen ich oben als beleidigend empört zurück gewiesen habe.

Aber irgendwie frage ich mich seither, wenn ich so durch die Stadt oder durch einen Einkaufstempel schlendere, ob die, die mich da umgeben, meine Mitmenschen, denn so sind, wie es die Mail-Portale unterstellen?

Ich fürchte: Ja, in der Mehrheit....